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  #1  
Alt 23.05.2008, 18:10
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Eggl Eggl ist offline
Jäger
 
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Hallo,
nachdem ich am letzten Trainingswochenende nicht bei den acht Stunden draußen dabei sein konnte, möchte ich heute meine kleine Geschichte erzählen.
Am späten Vormittag ging ich raus in ein Gebiet, wo ich vorher noch nie war. Die Sonne hat gescheint und ein kühler Wind wehte. Mit dem Wissen, dass ich viel Zeit habe, ging ich langsam. Und mit der Inspiration aus dem Vogelkurs achtete ich ganz bewusst auf die Vögel und deren Botschaft. So viele haben sich gezeigt und so mancher kam langsam näher an mich heran, als ich bei der Begegnung stehnblieb, um ihn nicht zu stören. In einer Hecke hab ich sogar einen Neuntöter gesehen mit seiner "Zorromaske", die sind bei uns in der Gegend sehr selten. Eine gute (und sehr lange) Übung war es, mich an eine zirpende Grille anzupirschen, aber zu sehen bekam ich sie im hohen Gras nicht. Beim Blick zurück stellte ich fest, dass ich noch keine 300 m gegangen war und schon mehr als eine halbe Stunde um war. Ich folgte dem Flußtal abwärts, als ein Graureiher in diese Richtung flog. Die ganze Zeit blieb ich auf den Wegen und probierte viele aus, wo sie wohl hinführten. Im Wald war es ziemlich steil, unten am Weg hörte ich aufgeregte Vogelrufe, ich verdrückte mich ins Gebüsch, weil ich niemandem begegnen wollte und die Spaziergänger, die dann kamen, gingen keine drei Meter an mir vorbei, ohne mich zu bemerken. Dort blieb ich sitzen und merkte, wie ich immer mehr "dazu gehörte", ich fühlte mich gut und richtig an diesem Platz. Nach einiger Zeit entdeckte ich nur wenige Meter von mir entfernt eine kleine Baumhöhle, ich konnte beobachten, wie Meisen ein und aus flogen und auf der anderen Seite von mir zwitscherte es plötzlich ganz aufgeregt. Dort war auch eine Baumhöhle und ein Star fütterte darin seine Jungvögel. Ich war so im Glück, dass ich über eine Stunde nur dasaß und die Vögel beobachtete. Es war so schön, dass sie sich nicht an mir störten. Als ich Radfahrer hörte, ging ich noch etwas weiter in den Wald, dabei schreckte ich ein Rehkitz auf, das die ganze Zeit in meiner Nähe gewesen war. Als ich stehenblieb, blieb es auch stehen. Langsam zog ich mich zurück zu meinem Vogelausguck. Nach einer weiteren Stunde zog es mich weiter, ich wollte dem Bachlauf folgen, der dort in den Fluß mündete. Ich ging einige Meter den Weg entlang und als ich in den Wald schaute saß auf einem Ast einer alten Buche eine Eule. Mich hats fast umgehauen. Wir schauten uns lange an, dann ging ich ganz dankbar für diese Begegnung weiter. Ich stieg barfuß in den Bach und versuchte, wie ein Reiher zu gehen und dachte an die Reiherfeder, die ich vom Vogelkurs mitgebracht habe. Schritt für Schritt, auf einem Bein das Gleichgewicht halten und keine Wassertropfen vom Zeh fallen lassen. Und dann war vor mir ein kleiner Fisch. Nun war ich wirklich der Reiher und meine Hände wurden zum Schnabel, in den ich den Fisch reinschwimmen ließ, und dann hatte ich ihn! Nach einer Weile beobachten ließ ich ihn wieder schwimmen und watete weiter. Inzwischen war es mir lästig, meine Birne (statt dem Apfel) zu tragen. Ich hatte keinen richtigen Hunger, ich wollte einfach nur meine Hände frei haben und nicht mehr drüber nachdenken, in welcher Tasche sie mich am wenigsten drückt. Ich suchte mir einen schönen Platz in der Sonne, wo meine Hose trocknen konnte und aß ganz langsam. Was für ein Genuss. Ein Stück ließ ich übrig für die Ameisen in dem Haufen neben meinem Sitzplatz und ging weiter bachaufwärts. Hier war es wunderschön, aber immer öfter kamen Leute auf dem Weg entlang und ich schlug mich oft ins Gebüsch. Immer hielt ich die Ohren offen, ob mir die Vögel verraten, wenn jemand kommt. Einmal hörte ich ein lautes krächzendes Rufen, das hab ich noch nie gehört. Es war ein Graureiher, der von einem Mäusebussard angegriffen wurde und der ihn schließlich bachabwärts vertrieb. Ich versuchte durch den Morast dorthin zu gelangen, wo er wohl gesessen war, um vielleicht eine Feder zu finden. Der Schlamm am Bachgrund war aber so tief, dass ich es nicht schaffte. Wieder mit nasser Hose hatte ich den Impuls den Weg zurück zu gehen und an der Gabelung vorab den anderen Weg zu nehmen. Dieser führte mich durch einen alten Buchenmischwald, wo die Bäume wie Säulen standen und mehrere Eichhörnchen unterwegs waren. Als ich den Wald verließ, kreiste über mir ein Falke und setzte sich auf die Spitze einer freistehende Eiche. Hier auf der Anhöhe war der Wind stärker zu spüren und ich fühlte mich ganz frei. Mit ausgebreiteten Armen rannte ich den Wiesenhang hinunter und über mir schrie der Falke. Ich fühlte mich gut und obwohl ich mir inzwischen nicht mehr ganz sicher war, wo ich mich befand und in welche Richtung es zurück ging, war es mir egal. Ich hatte Zeit und der Tag gehörte mir. Wieder einem Impuls folgend ging ich quer durch den Wald abwärts und kam an der Bachmündung raus, wo ich schon vorher war.
Hier änderte sich meine Wahrnehmung. Ich streifte nun nicht mehr einfach so herum und schaute, was mir begegnet, sondern ich wollte nochmals zu der Eule hoch. Mit diesem Ziel vor Augen bewegte ich mich anders, irgendwie schneller und nicht mehr so achtsam. Die Eule saß nicht mehr auf ihrem Ast, ich konnte aber die Starenkinder rufen hören. Jetzt wusste ich auch, was mein Ziel war, ich wollte eine Eulenfeder und stieg den Hang hinauf zu dem Sitzast. Dort war zwar jede Menge Kot, aber keine Feder. Erst war ich enttäuscht, dann sah ich unten an der Buche einen Knubbel, eine Verwachsung. Es war ein "Druiden-Ei", ein Glücksbringer. Ich brach ihn ab und wollte mich auf den heruntergebrochenen Buchenast setzten, um die Rinde abzuschälen. Direkt vor mir flog sie auf, die Eule, die ich vor lauter Federfinden übersehen habe! Erst erschrocken, dann etwas von meiner Unachtsamkeit enttäuscht machte ich mich ans Schälen. Ich saß eine halbe Stunde, hörte die Starenkinder und manch andere Vögel und war ganz mit meiner Arbeit beschäftigt. Ein Blick auf die Uhr zeigte mir, dass es höchste Zeit für den Rückweg war, die vielen Stunden sind so schnell vergangen. Ich ging den Hang zum Weg hinunter und da saß sie wieder, die Eule, in der Astgabel einer Rotbuche, fünf Meter entfernt. Und wieder schauten wir uns an. Und ich glaube, sie hat gelächelt.
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Leg ein Ohr an den Erdboden, dann ist das andere für den Himmel offen.
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  #2  
Alt 23.05.2008, 23:00
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Survival
 
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Daumen hoch

Aho Elke, Danke für das teilen der schönen Geschichte. Hast eine schöne Gegend da oben. Schönes Wochenende Tom
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Aus der Vergangenheit lernen - im Augenblick leben - an die zukünftigen Generationen denken.
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  #3  
Alt 10.07.2008, 15:53
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Pawnee Indian Blessing

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